30.06.2022

Im Interview: Patrick Schmerse – Projektingenieur im Bauabschnitt 2

Patrick Schmerse ist Projektingenieur im Bauabschnitt 2 (BA 2) des Ausbauprojekts Emmerich-Oberhausen. Der 33-jährige beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Bereich Voerde. Sein Studium absolvierte der gebürtige Essener an der Universität Duisburg-Essen und sammelte anschließend erste Berufserfahrung als Bauleiter. Bereits 2015 arbeitete er – damals noch über ein externes Ingenieurbüro – für die Ausbaustrecke. Seit 2017 ist er Teil des Projektteams der ABS 46/2.

Herr Schmerse, warum haben Sie sich für den Beruf als Bauingenieur entschieden?
Ich fand es schon immer interessant und bemerkenswert, Baustellen zu sehen. Ich habe mich immer gefragt, wie Baumaßnahmen umgesetzt werden und wie das Ganze funktioniert. Als es zur Abiturzeit darum ging, welche Fachrichtung ich studieren möchte, war ziemlich schnell klar, dass es Bauingenieurwesen wird. Bei den Recherchen zum Studiengang konnte ich meine Interessen wiederfinden und habe mich ohne Zögern für das Studium entschieden.

Und war die Deutsche Bahn als Arbeitgeberin ihr Ziel?
Die DB ist mir als potenzielle Arbeitgeberin natürlich schon während des Studiums begegnet. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich aber noch gar nicht einschätzen, wie vielfältig die Arbeit im Konzern sein kann. Diese Vielfältigkeit macht auch die tägliche Arbeit heute aus. Es gibt immer wieder Abwechslung und neue Herausforderungen.

Hinzu kommt, dass man mit der täglichen Arbeit etwas Gutes tut. Der Ausbau der Schieneninfrastruktur bringt nachhaltig Positives für Umwelt und Mensch. Einen Beitrag hierfür zu leisten, gibt mir persönlich ein gutes Gefühl.

Dann erzählen Sie uns doch einmal von Ihren Aufgaben im Projekt.
In erster Linie bin ich für das so genannte Vergabepaket KIB 3c zuständig. Hierbei koordiniere ich die Baumaßnahmen zu verschiedenen Brücken in Dinslaken und Voerde. Darüber hinaus betreue ich auch stellvertretend das Vergabepaket KIB 3d und unterstütze hierbei meine Kollegin Andrea Banozic. Eine meiner Hauptaufgaben ist es, die Baufirmen zu koordinieren. 

Welche konkreten „To-Dos“ fallen dabei an?
Hier muss ich etwas mehr ins Detail gehen:
Meine Aufgabe ist es sicherzustellen, dass die Baumaßnahmen termin- und qualitätsgerecht abgeschlossen werden. Hierbei bediene ich alle Schnittstellen zu den Baufirmen, den Planern, unserer Bauüberwachung sowie zu den internen Kolleginnen und Kollegen.

Damit wir draußen überhaupt bauen können, muss die sogenannte Ausführungsplanung geprüft und freigegeben werden. Hierzu stelle ich z.B. in Planungsbesprechungen oder sonstigen Gesprächen sicher, dass alle Planungsfragen der Baufirmen bzw. deren Planungsbüro beantwortet werden. Hierbei ist oft auch eine eigenständige Recherche in den Richtlinien oder ein Austausch mit den Entwurfsplanern, Prüfsachverständigen oder Bauvorlageberechtigten erforderlich.
 
Hinzu kommt, dass ich die Freigabeprozesse der Planprüfung verantworte. Oft ist es leider so, dass sich die Planprüfung auf dem kritischen Weg befindet und zu einem bestimmten Tag freigegeben auf der Baustelle vorliegen muss, da die Arbeiten beginnen sollen. Hierzu stehe ich dann im engen Kontakt mit dem Prüfsachverständigen und Bauvorlageberechtigten, um sicherzustellen, dass diese die Pläne prüfen und natürlich im besten Fall freigegeben. 

Wenn es dann zum Bau der Maßnahmen kommt, treten trotzdem häufig noch neue Fragen oder Probleme auf. Speziell in den Sperrpausen ist ein erhöhtes Arbeitsaufkommen auf den Baustellen spürbar, was ja auch logisch ist. Genau zu diesen Zeiten ist der Druck auch am höchsten sicherzustellen, alle Arbeiten innerhalb der Sperrpause abzuschließen. Nur dann kann der Zugbetrieb fristgerecht wieder aufgenommen werden. Genau in diesen Sperrpausen müssen daher alle möglichen Fragen oder Probleme, die vorher nicht abzusehen waren, schnellstmöglich geprüft und abgearbeitet werden. Diese Punkte kläre ich dann.
Neben der Betreuung der Baumaßnahmen vor Ort laufen viele Aufgaben parallel im Hintergrund oder müssen bereits Monate oder Jahre vor Baubeginn in die Wege geleitet werden. Das bekommen viele von außen gar nicht immer so mit. 

Im BA 2 bin ich zudem verantwortlich für die Genehmigungsverfahren in Voerde und betreue derzeit die Erstellung des 2. Planänderungsverfahrens seitens der Planungsbüros. Im Zuge eines Großprojekts kann es zu Änderungen der Planung kommen. Diese Änderungen müssen wir uns dann als Projekt nochmal vom Eisenbahnbundesamt genehmigen lassen. Hierzu müssen dann entsprechende Antragsunterlagen erstellt werden. 

Viel Spaß bereiten mir auch die Aufgaben im Zuge der Öffentlichkeitsarbeit. Speziell die Bürgerinformationen bieten eine super Gelegenheit, unsere Baumaßnahmen den Bürgern und Anwohnern vorzustellen. Hier haben wir als Projekt die Chance, die Bautätigkeiten transparent zu kommunizieren und Fragen zu beantworten aber auch Ängste zu nehmen.

Und von all diesen Aufgaben: Womit beschäftigen Sie sich in Ihrem Arbeitsalltag am liebsten?
Am meisten macht mir die Herausforderung Spaß, all die genannten und teils sehr verschiedenen Puzzleteile im Blick zu behalten und zusammenzuführen. Sprich, das Ganze zu koordinieren und mit verschiedenen Schnittstellen zusammen zu arbeiten. Ich mag es im Team zu arbeiten und das ist es, was aus meiner Sicht das Projektmanagement ausmacht: Zusammen kommt man weiter als allein. 

Also arbeiten Sie mit vielen anderen Abteilungen und Schnittstellen zusammen?
Es vergeht keine Stunde, in der man sich nicht mit anderen Abteilungen oder Bereichen abstimmen muss. Ohne diese gesamthafte Zusammenarbeit könnten wir die Projektziele nicht umsetzen. Angefangen bei den internen Schnittstellen innerhalb des Projektteams: Kaufleute, Vertragsmanager, Projektsteuerer oder auch die Kolleginnen und Kollegen aus dem Team öffentlich-rechtliche Angelegenheiten sowie der Öffentlichkeitsarbeit. Darüber hinaus sind im Zuge der Bautätigkeiten auch die Schnittstellen zum Baubetrieb (Stichwort Sperrpausen) eng zu begleiten. Zudem kann man auch noch unsere Auftragnehmer aufzählen, verschiedene Ingenieurbüros oder auch die Baufirmen. Hinzu kommen aber auch die Träger öffentlicher Belange oder Kommunen.

Sind Sie dann häufiger am Schreibtisch als auf der Baustelle zu finden? 
Ja, in der Regel ist mein Arbeitsplatz der Schreibtisch. Allerdings mache ich mir in regelmäßigen Abständen auch ein Bild von den laufenden Baumaßnahmen draußen vor Ort. 
Je nach Projektphase finden vermehrt Termine auf der Baustelle statt. Dies ist speziell der Fall, wenn längere Sperrpause anstehen. Dann bin ich fast täglich im Baubüro und dementsprechend auf der Baustelle. 

Mit welchen Herausforderungen sehen Sie sich regelmäßig konfrontiert? 
Eine der größten Herausforderungen ist grundsätzlich nicht zu wissen, welche neuen Aufgaben oder Fragestellungen mich in der täglichen Arbeit erwarten. Darüber hinaus ist es nicht so einfach das „große Ganze“ im Blick zu behalten – natürlich muss es trotzdem funktionieren. Außerdem ist es immer eine Herausforderung die Balance zwischen meiner Position als Vertreter des Ausbauprojekts und der empathischen Privatperson bei Anliegen von Anwohnenden oder Betroffenen des Streckenausbaus zu halten. Am Ende des Tages haben wir alle Verständnis dafür, dass unsere Baustellen auch stören. Da hilft es im Hinterkopf zu behalten, dass wir die Gesamtsituation entlang der Strecke verbessern.

Was war Ihr bislang größter Projekterfolg?
Ich möchte nicht „den einen großen Erfolg“ hervorheben. Hier zählen für mich auch die kleinen Dinge. Beispielsweise erfolgreiche Abschlüsse komplizierter Vertragsverhandlungen. In den letzten 1-2 Jahren war es aber auch schön mitzuerleben, die Ausschreibungen der Bauleistungen auf den Markt zu bringen bzw. die Baufirmen zu beauftragen und auch die ersten Brücken gebaut zu haben. Die Klageverhandlung 2021 beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat sich ebenfalls sehr stark bei mir im Kopf eingeprägt. 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft (des Ausbauprojekts)? 
Ich wünsche mir, dass bald alle Planfeststellungsabschnitte Baurecht erhalten und somit auch die übrigen Planungsphasen in den Bau übergehen können. Ansonsten wäre es schön, wenn die tägliche Arbeit im Büro auch in Zukunft nicht mehr von der Pandemie bestimmt würde, sondern alle Prozesse wieder wie gewohnt erfolgen könnten. 

Zum Schluss noch etwas Privates: Was darf auf Ihrem Schreibtisch niemals fehlen?
Um circa 12 Uhr mein selbstgekochtes Mittagessen.

Dann guten Appetit und vielen Dank für das Gespräch!
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